"Treten für Moneten"

… auf dem Weg zum Grundeinkommen


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Freie Fahrt für’s Grundeinkommen, über Istanbul, Inning und Isar

[Mi, 12.9. und Do, 13.9] Morgens gegen halb 9 stehe ich am Bahnsteig in Augsburg Hbf. Ich empfange Franz, der über Nacht von Hamburg anreist, mit nächtlichem Umsteigen in Köln. Nach einer 4-wöchigen Busreise über den Balkan bis Istanbul möchte er noch die letzten 2 Etappen von Augsburg nach München und Ottobrunn mitfahren. Uli, meine Mitfahrerin vom Vortag, hat ihm kurzfrist ihr Fahrrad für die Tour angeboten, da in der Bahn kein Fahrradplatz mehr frei war.. Sie bringt uns zum Frühstück in ihre Wohnung. In Ruhe gesättigt beraten wir die Strecke und entscheiden spontan, dass wir die erste Etappe in Inning im Ammersee enden lassen möchten. Für den nächsten Tag sind wir ohnehin flexibel, da der weitere Mitfahrer für die letzte Etappe leider abgesagt hat.
Der vorhergesagte Dauerregen kündigt sich mit einer dicken Wolkendecke an, verschont uns dennoch den ganzen Tag. Das kühlere und schattigere Wetter ist mir eine willkommene Erfrischung nach der heißen Tour über den Donau-Ries.
Noch in Augsburg begleitet uns für einige Kilometer ein netter Herr, der uns mit einem offenherzigen ‚Shalom‘ begrüßt. Wir plaudern wechselseitig über unsere Missionen, er eher religiös orientiert, wir für das universelle Grundeinkommen.
Über Landstraßen und kleine Dörfer kommen wir gut voran. Den Landkreis Fürstenfeldbruck durchfahren wir nur am Rande. Mehrfach zeigen uns breite, unbewachte Kürbisauslagen am Straßenland eine Fülle, die die Verweigerung von Einkommen, die jeder zum Leben braucht, als absurd entlarvt. Die Kühle und die Strecke bieten jedoch kaum Gelegenheiten das Grundeinkommen unterwegs ins Gespräch zu bringen.

Schon vor vier sind wir in Inning und lassen den Tag ruhig mit einem Spaziergang am See ausklingen. Dort zieht ein einsamer Surfer unsicher seine Kurven bei Wind und Wellengang, wie ein Mensch, der sich gerade sein Leben mit Bedingungslosem Grundeinkommen neu einrichtet.

Am letzten Tag der Reise machen wir einen leichten nördlichen Schlenker, obwohl wir Ottobrunn ohne Weg über das Münchener Zentrum ansteuern möchten. In Gilching und Germering hinterlassen wir einige Zeit und etliche Flyer in den Briefkästen von Reihen- und Mietshäusern. Wieder mal treffen wir auswärtige Spaziergänger, diesmal im Forstenrieder Park, die gegenüber der Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens schnell aufgeschlossen sind. Menschen im Urlaub sind halt leichter anzusprechen. Nach meinem Eindruck öffnet man sich in selbstbestimmter Zeit eher neuen Ideen, da die Ängste der Erwerbsabhängigkeit weniger präsent sind.

Damit das Grundeinkommen die Isar überquert, müssen wir kurze, enge Serpentinen erst zügig hinab, dann wieder schwergängig hinauf fahren. Wie beim Weg zum Grundeinkommen: Innerlich kann man sich schnell von sichtbaren Missständen distanzieren, wie man zuweilen am Klagen und Lamentieren erkennt. Die Erringung des Neuen erfordert jedoch einige Kraft und Ausdauer.
Der steile Anstieg aus dem Isartal ist wohl der letzte vor Ottobrunn. Für die letzten Kilometer ziehe ich das Tempo etwas an, um noch einen Workshop am Pre-Conference Day um 3 zu erreichen. Einige Minuten vor 3 biegen wir tatsächlich auf den Platz vor dem Wolf-Ferrari-Haus ein. Die Krönungswelle ist schon mit einem Pavillion präsent und Babs Henn gesellt sich zu uns. Angekommen !

[RainerA]

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Von der Harburg in die Haifischbar

[Di, 11.9] Das Städtchen, das mich an meinen Heimathafen erinnert, gibt zum Abschied klare Sicht auf ihr Wahrzeichen. Die Burg auf dem Felsen erinnert mich an die Bürokratie-Festung unseres Sozialstaats, die sich einem Neuanfang zäh widersetzt. Die Harburg steht noch, hat seine ursprüngliche Rolle jedoch längst verloren. Die Menschen unten haben einfach ihr Leben selbst in die Hand genommen und irgendwann aufgehört, weiter auf die Feudalen in der Burg zu hören. Zuweilen macht Ignorieren mehr Sinn als Bekämpfen.

 

 

 

 

 

In Donauwörth führt mich der Radweg durch einen dunklen Hauseingang in ein grünes Gartenviertel. Auch der Tunnelblick unserer derzeitigen Sozialbürokratie muss am Ende nicht in den Abgrund führen. Am Bahnhof treffe ich auf Uli, die extra aus Augsburg kommt, um heute mitzufahren. Noch auf dem Bahnhofsvorplatz spricht uns ein Mann an und weiß vom australischen Modell einer Grundrente zu berichten. Sie bekomme dort jeder, egal ob einbezahlt oder nicht, und werde u.a. durch hohe Alkohol- und Luxussteuern finanziert.

 

 

 

Wir nehmen den Weg durch das Lech-Tal, die brennende Sonne veranlasst uns zu mehreren Schattenpausen. In einem Dorf hilft uns ein Mann in Arbeitskluft bei der Wegsuche. Sein Redebedürfnis ist breit, er beklagt Neid und Gier auf den Dörfern, schimpft jedoch zugleich auf die Griechen, die nie etwas täten und denen nun doch geholfen würde. Seine Erfahrungen mit Hartz-IV und prekären Lohnarbeiten haben ihn frustriert. Ob das Grundeinkommen für ihn eine Richtung weißt, bleibt ungewiss, sein Interesse ist jedoch zu spüren.

 

 

 

 

 

Bei der kurzen Einkehr in einem Gasthof in Biberbach sind wir die Tagesattraktion für die Wirtsleute. Was steht auf den Fahnen ? Wie lenkt sich das Fahrrad ? Aus welchem Material ist der Rahmen ? Gegenüber demonstriert eine ausfallende Kreuzigungsgruppe ihre sakrale Dominanz.

In Augsburg setze ich mich einige Zeit auf den Rathausplatz. Der einzige Gärtner Augsburgs, der allein per Fahrrad zu seinen Kunden fährt, setzt sich dazu. Er klagt über eine mediale Tabuisierung der Möglichkeiten der Internet-Abstimmung für politische Entscheidungen. Abends sind wir bei den Piraten zum Stammtisch eingeladen. Uli hatte 2 Tage zuvor Kontakt aufgenommen. Eine Runde von 15-20 Zuhörenden versammelt sich in der Haifischbar. Ich beschreibe die lokalen Chancen des Bedingungslosen Grundeinkommens und werbe für die kommunalpolitische Anbindung des Themas. Die anschließenden Fragen und Diskussionen greifen meinem Impuls kaum auf, sondern kreisen doch nur wieder um die präferierten Finanzierungsmodelle, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sowie die politische Rolle der Parteien und der unabhängigen Initiativen. Deutlich ist zu spüren, wie die Piraten in Bayern noch deutlich mit dem Thema ringen und nach einer gemeinsamen Haltung suchen.

 

 

 

 

 

Den anschließenden Vortrag über die drogenpolitischen Positionen der Piraten finden wir eigentlich spannend, verlassen wir jedoch aufgrund der Intervention unserer Müdigkeit vorzeitig.

[RainerA]


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Kleine Stadt, Groß für Grundeinkommen

[So 9.9. und Mo, 10.9.] Nach dem herzlichen Empfang mit Kennenlernen im Eiscafe in Weißenburg flanieren wir noch ein wenig durch die Stadt. Mehrfach kommen wir mit Menschen über’s Grundeinkommen ins Gespräch. An einer größeren Bierrunde an einem Kiosk können wir eine Diskussion entfachen, das Grundeinkommen ist teilweise schon bekannt. Der Wortführer will nicht, dass andere sich ein ruhiges Leben machen, während er mit Arbeit nur wenig mehr habe. Ewig nichts zu tun sei doch öde, wendet ein anderer ein. Ich weise auf den besseren Spielraum bei der Verhandlung von Arbeitsbedingungen hin. Einer brüstet sich mit der richtigen Frau zuhause, die möglichst 15 Jahre jünger sein müsse, damit sie noch für ihn während seiner Rente arbeiten könne. Meinem Hinweis, seine Frau habe auch Wahlrecht und hätte genauso Anspruch auf ein eigenes Grundeinkommen, widerspricht er nicht. Die Runde empfängt zum Abschluss willig einige Flyer. Wir lassen uns von den patriarchalen Auswüchsen nicht frustrieren und fahren in Reginas und Peters Garten für das schärfste Abendessen der Tour mit Chili aus eigenem Anbau.

Nachdem Bertram wieder nach Nürnberg aufgebrochen ist, sitzen wir noch beim Rotwein und hecken eine Pressemitteilung für die Lokalpresse aus, das Foto steuert Regina bei. Ihre Initiative „Einkommen ist ein Bürgerrecht“ hat mit mehreren Veranstaltungen schon einige Aufmerksamkeit erhalten und zählt bereits über 250 Mitglieder. Während gerade Aktivitätspause ist, soll wenigstens mein Besuch genutzt werden.
Am nächsten Morgen ruft Regina in der Redaktion an. Nach Beratung in der Redaktionskonferenz verzichten sie zwar auf ein Interview mit mir, sagen aber die Veröffentlichung der Infos aus der Pressemitteilung zu. Und tatsächlich, am Dienstag erscheint die Tour in der Lokalzeitung.
(Weißbg. Tagbl., 11.9.2012)

Den Montagvormittag nutze ich zum Schreiben für den Blog. Kurz vor Aufbruch werde ich noch das 261. Mitglied der Weißenburger Initiative. Peter begleitet mich spontan mit dem Liegedreirad bis hinter Treuchtlingen, damit ich den richtigen Weg auf den Donau-Ries finde. Zuvor haben wir noch geschätzte 1 % der Weißenburger Haushalte mit Flyern versorgt.

Über horinzontal und vertikal kurvige Wege und eingestaubt durch erntebedingten Traktorenverkehr auf trockenen Schotterpisten gelange ich mit Mühen bis Harburg in Schwaben. Die lange Pause in dem knuffigen Städtchen, das ebenfalls südlich der Elbe liegt, dehne ich zur Übernachtung aus. Die restlichen 10 km bis Donauwörth spare ich mir also für den nächsten Tag.

[RainerA]


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Fränkische Lotsenfahrten

[Sa, 8.9. und So, 9.9] Ab Bamberg erwarte ich Thomas aus Nürnberg als Begleitung und Lotse. Die Hindernisse seiner Anreise sind Vorboten eines unruhigen Tages. Deutlich verspätet vereinbaren wir kurzfristig Hirschhaid als Treffpunkt, wo wir erst nach 12 aufbrechen. 15:30 Uhr sollen wir bereits beim ersten von mehreren Treffpunkten in Nürnberg sein. Schneller werdend schieben wir uns durch die trockene und schattenlose Hitze entlang des Main-Donau-Kanals. Einige Telefonate, die Wegesuche und die nötige Essenspause bremsen uns wieder aus, für das Flyerverteilen bleibt kaum Zeit. Immerhin können wir mit der Wirtin einer Sportgaststätte ein wenig den Sinn eines Grundeinkommens ausloten, nachdem sie neugierig nach den Fahnen fragte.

Thomas demonstriert Optimismus, doch die Kilometer verkürzen sich auch auf sein Drängen nicht. Zu viel, zu unvorbereitet für diesen Tag. Eine Ankunft um 15:30 Uhr ist so realistisch wie die Auszahlung des ersten Grundeinkommens zum kommenden Weihnachtsfest. Derweil wird in Nürnberg der enge Zeitplan über den Haufen geworfen und improvisiert. Beim Aktionsstand warten zwei Reporter vergeblich und ziehen schließlich frustriert wieder ab. Dennoch erreichen die Nürnberger mit ihrer Präsenz und Krönungen etliche Menschen auf der Straße. Die letzten Kilometer fährt Thomas unruhig auf Nürnberger Stadtgebiet mit Handy-Navi in der Hand voraus. An der Straße der Menschenrechte warten um halb sechs doch noch einige Aktivisten der örtlichen Initiativen. Wir verschnaufen kurz, das Gruppenfoto wird gemacht und wir machen uns auf in einen Biergarten. Gesellig besprechen wir neben anderem die Wege zum Grundeinkommen, die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Immerhin, durch die Radtour haben beide Nürnberger Initiativen wieder eine gemeinsame Aktion gemacht.

Der nächste Tag ist dazu ein Kontrast. Heute übernimmt Bertram die Lotsenrolle. Weitgehend ausgeschlafen und frühzeitig aufgestanden, starten wir an seiner Wohnung. In der Nachbarschaft werden schon erste Briefkästen versorgt. In zügiger aber dennoch ruhiger Fahrt lassen wir Nürnberg hinter uns und durchqueren das leicht hügelige Umland.

Im Städtchen Roth fällt das Grundeinkommen auf fruchtbaren Boden. Heute ist zufällig Altstadtfest, das überwiegend ehrenamtlich von den örtlichen Vereinen und Organisationen getragen wird. An vielen Ständen finden wir ein offenes Ohr: bei der evangelischen Freikirche, der Werbegemeinschaft, der Tafel, der Kolpingfamilie und bei vielen etlichen Festbesuchern. Auch die Grünen hören zu, die Reaktion ist aber eher verhalten, im Gegensatz zu den örtlichen Gewerkschaftern, mit denen wir leicht ins Gespräch kommen und die unser Anliegen anerkennen.

So motiviert und mit einem Cocktail gestärkt, geht es nach fast einer Stunde weiter Richtung Weißenburg. Da wir gut vorankommen gönnen wir uns in Pleinfeld noch eine längere Pause im Café. Pünktlich 16 Uhr erscheinen wir vor dem Weißenburger gotischen Rathaus und treffen Regina und Günter von der örtlichen Initiative.

 

 

 

Daraus versuche ich zu lernen: Es ist nicht egal, wie man ins Thema Grundeinkommen startet und wer dabei in welcher Weise für einen die Lotsenrolle übernimmt. Verschiedene Lotsen zeigen einem auch verschiedene Wege. Wird es zu hektisch, kann man leicht unerreichbaren Erwartungen erliegen und den Mut verlieren. Wer zu früh ankommen will, wird möglicherweise dauernd zu spät sein.

[RainerA]


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Schwerkraft Grundeinkommen für konservative Leichtigkeit

[Do, 6.9. und Fr, 7.9.] Nach einem gemütlichen Frühstück empfange ich Bernd mit meinem Gepäck aus Jena. Jetzt geht es wieder voll bepackt weiter. Hinter Neuhaus fährt das Grundeinkommen wie von selbst hinab ins Coburger Land, stark gezogen von der Schwerkraft meiner Grundeinkommens-Fracht. Ein neues Brückenbauwerk für die ICE-Strecke zeigt mir, dass große Infrastruktur-Projekte eine lange Vorlauf- und Bauzeit haben, bis sie in Betrieb gehen können. Doch dann können sie sehr langlebig sein. So ähnlich wird es beim Grundeinkommen sein, denke ich, jedoch nicht unbedingt sichtbar in fassbaren Bauwerken. Wobei eine Brücke doch kein schlechtes Baudenkmal für den Übergang in eine neue Zeit und einen neuen Gesellschaftsvertrag wäre.

Im sonnigen Coburg setze ich mich in den Schatten des Rathauses und lasse einige Neugierige herankommen.

Auf dem Weg zum Quartier entdecke ich einen öffentlichen Bücherschrank für den freien Büchertausch. Wo in Hamburg einzelne Bürger selbst gefertigte Kästen oder ausgediente Möbel in Eigeninitiative aufstellen, ist es in Coburg ein Verein, der zudem einen Architekten mit dem Entwurf beauftragte. Dieser hochwertige Schrank an einer zentralen Busstation wird rege frequentiert und dient somit als literarisches Grundeinkommen für die Bevölkerung.

Dass Wertschöpfung nicht allein finanziell messbar ist, entdecke ich auch bei meinen Gastgebern auf dem Gärtnerhof am Schloss Callenberg. Die Versorgung der weiteren Umgebung mit Bio-Lebensmitteln per Abo-Kiste und die Zusammenarbeit mit der benachbarten Schule könnten nicht gelingen, hätten die Mitarbeitenden nur ihr Arbeitseinkommen im Kopf. Mit meinem Gastgeber stimme ich überein, dass die Idee des Grundeinkommens auch einer wertkonservativen Haltung zugute kommt, da sie lokale Stabilität und Bindung unterstützt. Dass nicht nur der Unternehmer vom Gärtnerhof, sondern auch ein Bauunternehmer und CSU-Stadtrat in der örtlichen Grundeinkommens-Initiative mitwirkt, passt da ins Bild.

Kurzerhand  telefonisch avisiert, habe ich am nächsten Tag mittags noch ein über einstündiges Gespräch mit einer angehenden Journalistin der Neuen Presse Coburg. Sie arbeitet dort vorübergehend freiwillig ; ihr echtes Interesse am Thema wird mit ihrem intensiven kritischen Fragen trotzdem deutlich, oder gerade deswegen ?

Auf dem Markt versorge ich mich noch mit Obst. Der Händler litt lange unter seinem aus der Notwendigkeit gewählten Beruf des KFZ-Mechanikers, bis er doch noch zu seiner Wunschtätigkeit des Obstanbaus und -verkaufs fand. Die weichen Birnen will er mir als Proviant nicht verkaufen, denn die müsse man sofort essen. Ehrliche Beratung ist ihm wichtiger als noch ein Euro mehr.

Die 45 km nach Bamberg sind leicht zu fahren. Kurz vor Bamberg fragt mich eine 5-köpfige Herrenradlergruppe, hektisch telefonierend, nach einer Unterkunft. Betten habe ich leider nicht, aber eine kleine abendliche BGE-Lektüre kann ich zurücklassen. Im leeren Haus der Familie meines Bruders koche ich erstmals auf der Tour für mich selbst. Dann siegt die Müdigkeit über meine Absicht, auf Bambergs Straßen noch für’s Grundeinkommen zu werben.

[RainerA]


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Mit dem Grundeinkommen über den Berg

[Mi, 5.9.] Von Jena aus begleitet mich Bernd noch einige Kilometer per Rad den Saaleradweg entlang. Zwei Drittel meines Gepäcks liegen in seinem Auto und werden am nächsten Tag auf den Rennsteig gebracht. Wieder treffe ich ein Radlerpaar für den Austausch von Streckenhinweisen. Grundeinkommen ist auch bekannt und wird wohlwollend kommentiert. Das Transportrad fahren sie auch mal kurz zur Probe. Bei Rudolstadt beginnt der Regen, der mich den Rest des Tages begleiten wird. Obwohl ursprünglich eine geplante Station, lasse ich Saalfeld  knapp links liegen. Ziel ist, möglichst weit hinauf in den Thüringer Wald zu gelangen. Bei Bad Blankenburg geht es ins Schwarzatal. Lange, ruhige und feuchte Waldstrecken lassen die Kilometer allmählich schmelzen. In Schwarzburg lädt ein Schild zum Goldwaschen im Fluss, ich bevorzuge die Konditorei für eine Käsetorte.
Vor Unterweißbach entscheide ich mich für eine ausgeschilderte Radroute in den Wald. Der Weg steigt, steigt und steigt. Steine und Zapfen ergeben einen unebenen Untergrund. Ich muss einige Kilometer im 0. Gang fahren. Mit Mühe helfe ich dem Transportrad den Berg hoch. Der Regen wird weniger, Wolken und Diesigkeit vermischen sich mit Tal und Wald. Meine Atmung wird kürzer und die Atempausen länger. Jetzt gilt die Ausschilderung eigentlich nur für Mountain Biker. Dennoch kämpfe ich mich durch bis Lichtenhain, der Bergstation der örtlichen Bergbahn. Endlich wieder Straße, sie führt nach Oberweißbach. Dort wieder ein langer, sehr steiler Straßenanstieg. Ich trete 30 Meter und pausiere 30 Sekunden im Wechseltakt. Dann die Landstraße nach Neuhaus am Rennweg, dem unterwegs gewählten Tagesziel. Dort finde ich im grauen Nieselregen um halb Sieben ohne langes Suchen einen Gasthof mit freiem Einzelzimmer und warmem Abendessen. Geschafft, das Grundeinkommen ist über den Berg!

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[RainerA]


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Thüringer Umwege

[Mo, 3.9. und Di, 4.9.] Zum Start in Eisenach, ein kleiner Boxenstopp beim Fahrradladen, um erste quietschende Verschleißerscheinungen zu
kurieren. Auch bei mir zeigt sich fortdauernde Ermüdung nach dem intensiven Vortag. Erstmals ohne Begleitung beim Frühstück, diesmal in der Jugendherberge, bin ich nun stärker auf mich selbst zurückgeworfen. Während der Fahrt bleibt das Grundeinkommen weitgehend unausgesprochen, abgesehen von der Werbung am Fahrrad. Einige Kilometer vor Gotha wird eine beabsichtigte Abkürzung zur unfreiwilligen Verlängerung. Der alternative Radweg führt über schmale, unzureichend gesicherte Stege eines Wasser-Äquadukts. Zu groß das Risiko für mein schwer bepacktes Transportrad.

In Gotha zeigt sich zwar spannende Wohnarchitektur, jedoch fühle ich mich merkwürdig fehl am Platze. Mein Rad wird während der Pause von einigen Touristen gemustert, aber auf Grundeinkommens-Gespräche habe ich meist keine Lust.

Über Landstraßen geht’s Richtung Erfurt. Im Umfeld des Flughafens wird es unübersichtlich und plötzlich finde ich mich wieder 2 km Richtung Gotha gefahren. Doch noch in der Erfurter Innenstadt angekommen, wieder Jugendherberge gewählt, versetze ich mich zum Abendessen zu einem Italiener am belebten Wenigemarkt. Der Wein zeigt auch in begrenzter Menge seine Wirkung. 45 Min. kurve ich durch die dunkle und weitläufige Altstadt und suche den richtigen Weg in mein Bett. Dann ist an Schreiben im Blog nicht mehr zu Denken, der Schlaf ist schneller als der Bildschirmschoner.

Der nächste Morgen, wieder allein beim Frühstück, diesmal zwischen mehreren Teenager-Gruppen. Der Weg aus Erfurt wird zu einer 75-minütigen Suche in der Altstadt, auf Ausfall- und Ringstraßen, in Vorstädten und Gewerbegebieten. Mehrmals komme ich bei der Wegesuche kurz ins Gespräch, auch über’s Grundeinkommen, so am Domplatz mit einem Messer- und Scherenschleifer aus dem Berliner Raum und zwei Radler_innen am Stadtrand.

Mir wird klar, die Wege zum Grundeinkommen können ganz schön anstrengend und zeitraubend sein, wenn man alleine unterwegs ist, die Orientierung fehlt und auch niemand vorweg fährt. Aber ist der direkte Weg wirklich der Beste? Vielleicht wird das Bedingungslose Grundeinkommen erst durch Umwege (Mindestlohn, Zusatzrente, Betreuungsgeld etc.) ein erfolgreiches Projekt, denn auf Umwegen lernen wir allmählich uns zu orientieren, können mehr Menschen mitnehmen und letztendlich doch das Ziel ansteuern, mit um so größerer Gewissheit.

In Weimar wartet schon Bernd aus Jena, der in Göttingen abbrechen musste, mich auf dem Stück nach Jena aber doch begleiten möchte. Mit einer Stunde Verspätung und reichlich ausgepowert durch erhöhten Tempodruck erreiche ich den Theaterplatz. Die Kraft reicht noch, eine neugierig wirkende Touristin anzusprechen. Sie kommt aus den Niederlanden und ist dem Thema nicht abgeneigt. Ich punkte mit meinem Wissen aus dem Archiv Grundeinkommen, dass sich in den Niederlanden eine Partei mit dem Thema Grundeinkommen gegründet haben soll. Das hat sie noch nicht gewußt. Dazu mußte sie wohl erst den Umweg nach Weimar machen.

Wie verabredet treffen wir vor dem Theater noch auf Uli, auch aus Jena, nur für einen Termin in Weimar. Er ist multi-engagiert für ein neues Elektrogefährt, für die Klimafrage, für eine neue Geldorganisation und eben auch für das Bedingungslose Grundeinkommens. Er veröffentlichte bereits 1998 einen Aufsatz über die Verknüpfung von Grundeinkommen und klimagerechter Lebensweise.

Die Fahrt nach Jena wird nach einem langen Anstieg zu einer halsbrecherisch anmutenden Abfahrt auf einer schmalen Landstraße zwischen Felsen und Abhängen. Ungeduldige Autofahrer überholen auch vor nicht einsehbaren Kurven; dabei hinterlässt ein Beinahe-Crash mit dem Gegenverkehr ein ungutes Gefühl.

In Jena bin ich bei Bernd und Brigitte zu Gast, der Abend verläuft entspannt mit griechischem Essen und einem kleinen Stadtrundgang. Eigentlich soll heute auch ein Stammtisch der Jenaer Inititative sein, doch in der entsprechenden Lokalität wurden sie schon länger nicht gesehen.

Bernd wird etwas BGE-Aufbau-Arbeit leisten und etwa 200 unserer Flyer in Lobeda in den sanierten „Plattenbauten“ verteilen.

[RainerA]